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Gerade Kinder müssen Wege gegen Mobbing finden.

Mobbing im Klassenzimmer

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Kleider machen Leute. Was in der Erwachsenenwelt traurige Wirklichkeit unserer Oberflächenkultur ist, ist auch in deutschen Klassenzimmern Alltag. Wer sich teure Markenkleidung nicht leisten kann, wird oftmals ausgegrenzt und gemobbt. Wie können betroffene Kinder damit umgehen? Und was können Lehrer und Eltern gegen ein solches Mobbing unternehmen?

Was ist Mobbing?

Zunächst einmal stellt sich die Frage, um was genau es sich bei Mobbing eigentlich handelt. Der Begriff stammt vom englischen „to mob“ und bedeutet so viel wie schikanieren, anpöbeln oder über jemanden herfallen. In der Fachwelt wird zwischen zwei Arten von Mobbing unterschieden: Aktivem und passivem Mobbing. Gerade Kinder müssen Wege gegen Mobbing finden.

Aktives und passives Mobbing

Unter aktivem Mobbing sind regelmäßig stattfindende Beleidigungen, Erniedrigungen und Bloßstellungen bis hin zu Drohungen, Nötigung und körperlicher Gewalt zu verstehen. Passives Mobbing hingegen läuft meist perfider ab: Lügen werden etwa gezielt verbreitet, um den Ruf des Mobbingopfers zu schädigen. Dies passiert heutzutage oft im virtuellen Raum, Facebook und co. bilden dabei beliebte Plattformen des „Cybermobbings“. Aber auch soziale Ausgrenzung, zum Beispiel auf dem Schulhof, gehören genauso wie Diebstahl und Sachbeschädigung von Eigentum dazu. Beiden Mobbing-Arten ist gemein, dass ihr langfristiges Ziel in der sozialen Ausgrenzung des Opfers liegt.

Wieso wird gemobbt?

Mobbing geschieht vor allem außerhalb des Unterrichts: Während den Pausen, in den Toiletten, auf dem Schulhof oder sogar während der Anfahrt zur Schule im Schulbus. Die Gründe für Mobbingattacken sind dabei vielfältig. In den meisten Fällen hängen sie mit einer Abweichung des Opfers von einer herrschenden Norm zusammen, wenn sich etwa ein Schüler durch verschiedene Attribute vom Rest abhebt. Diese Abweichungen können in der Nationalität oder Religion des Kindes liegen oder durch eine andere Haut- oder Haarfarbe, ein andersartiges Aussehen oder Auftreten in Erscheinung treten. Oder durch Kleidung.

Kleidung als Mobbinggrund

Kleidung nimmt in deutschen Klassenzimmern an Bedeutung zu. Denn die Schere zwischen Arm und Reich, die immer weiter auseinanderklafft und unser gesellschaftliches Leben spaltet, prägt auch das Zusammenleben der Schüler. Wie bei Erwachsenen, die durch ihr Äußeres ihren Rang in der Gesellschaft definieren wollen, bietet Markenkleidung Jugendlichen die Möglichkeit, sich als zugehörig zu einer bestimmten sozialen Schicht oder auch jugendlichen Subkultur zu präsentieren. Vor allem in der Pubertät ist eine solche Abgrenzung für Jugendliche wichtig. Wer die finanziellen Mittel für diese „Eintrittskarte“ allerdings nicht besitzt, wird der Zugang zu sozialen Gruppen oft verwehrt. Doch nicht nur dies. Wegen der Art der Kleidung kommt es unter Schülern heutzutage zu verbalen oder sogar physischen Mobbingattacken.

Schulkleidung als Ausweg?

Eine Möglichkeit, Mobbing wegen falscher Kleidung von Anfang an zu verhindern, wäre die Einführung von einheitlicher Schulkleidung. Viele Länder wie Großbritannien, Indien oder auch Japan blicken auf positive Erfahrungen mit ihrer langen Tradition von Schulkleidung zurück. In Deutschland stößt die Einführung von Schulkleidung aufgrund der Erfahrung von Hitlerjugend und FDJ jedoch auf gemischte Gefühle. Dabei geraten die Vorteile von Schulkleidung schnell in den Hintergrund: Das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Klasse wird gestärkt, Mobbing wegen falscher Kleidung ist nicht mehr möglich, neue Schüler werden besser und schneller integriert. Auch die Identifikation mit der gesamten Schule steigt merklich an.

Wie erkennt man Mobbing?

Mobbing läuft meist unbemerkt von Lehrerkräften und Eltern ab. Außerdem sind die Opfer meist eingeschüchtert und schämen sich für ihre Schwäche, was dazu führt, dass sie sich nicht von alleine um Hilfe bemühen. Deswegen ist es wichtig, dass Eltern und Lehrer Symptome von Mobbing erkennen können. Wenn ein Kind etwa nicht mehr in die Schule gehen möchte und häufig fehlt, wenn es antriebslos wirkt, unter Konzentrationsschwächen leidet, nur noch schlechte Noten schreibt oder sich zurückzieht und selbst isoliert, können dies Anzeichen von Mobbing im Schulalltag sein. Jedoch sind auch konkrete physische Symptome wie morgendliche Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit oder Verletzungen mögliche Anzeichen.

Was kann man als Lehrer tun?

Zunächst einmal ist es wichtig, für ein offenes Klima zu sorgen und Schüler allgemein zu ermutigen, sich in Fällen von Mobbing an das Lehrpersonal zu wenden. Dabei sollte auch auf die schwerwiegenden psychischen und körperlichen Folgen, die langfristiges Mobbing nach sich ziehen kann, hingewiesen werden. Genauso hilfreich wie gezielte Anti-Mobbing-Workshops sind auch Schülerprojekte zu Themen wie Sozialkompetenz, Konfliktbewältigung oder Persönlichkeitsentwicklung. Mobbingtäter sollten definitiv zur Rede gestellt werden und sich für ihr Tun verantworten müssen. Und selbstverständlich sollten die betroffenen Eltern in den Fall miteinbezogen werden.

Was können Eltern tun?

Am wichtigsten ist selbstredend eine vertrauensvolle Beziehung zum eigenen Kind. Auf mögliche Symptome von Mobbing sollte geachtet und eingegangen werden. Entscheidend ist auch, dass das Kind ermutigt wird, von den negativen Erlebnissen ohne Scham zu berichten, ja auch „von der Seele reden zu können“. Hilfreich ist auch das Führen eines „Konflikttagebuches“, in dem Mobbingattacken dokumentiert werden. Dieses kann etwa an Lehrpersonal weitergegeben werden. Es sollte auf jeden Fall darauf verzichtet werden, direkten Kontakt mit dem Mobbing-Täter herzustellen. Dies sollte stets über Vermittlungspersonen wie zum Beispiel Lehrkräfte erfolgen.

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