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Gesundheit

Verzerrte Selbstwahrnehmung

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Die eigene Schönheit gilt vielen Menschen als Ausdruck von Stärke. Sowohl im Privatleben als auch im Beruf wird daher streng darauf geachtet, modisch im Trend zu liegen, gepflegt zu erscheinen und so wenige Mängel wie möglich aufzuweisen. Doch das führt nicht selten dazu, dass die Maßnahmen drastischer werden. Aber wo ist die Grenze zu ziehen zwischen einem legitimen und einem weit überzogenen Handeln? Wenn der Gang zum Friseur, der Kosmetik und dem Sonnenstudio als normal gilt, sollten es dann Schönheitsoperationen nicht ebenfalls sein? Die Frage polarisiert und ist nicht einfach zu beantworten. Klar ist aber, dass solche Eingriffe gegenwärtig in der Mittagspause oder gleich nach der Arbeit erfüllt werden können. Immer mehr chirurgische Praxen bieten die Brustvergrößerung oder die Lidstraffung ambulant an. Und damit ändert sich auch die Sichtweise auf diese Vorgänge: Was ehemals exotisch und extravagant war, scheint heute zum Alltag vieler Menschen zu gehören. Insbesondere bei den Frauen erfreuen sich die Korrekturen großer Beliebtheit.

Modischer Trend oder gestörte Selbstwahrnehmung?

Allerdings sollte nicht verschwiegen werden, dass immer mehr Mediziner diese Dienste anbieten, weil die Nachfrage danach besteht. Doch warum ist dem so? Ein Ansatz könnte sein, dass viele Frauen heutzutage vermögender sind und zudem ein besseres Leben führen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Was früher in den Unterhalt der Existenz investiert wurde, kann nun eben für kosmetische Maßnahmen ausgegeben werden. Aber diese These vermag nicht zu überzeugen. Stimmiger scheint es dagegen zu sein, dass sich die Selbstwahrnehmung über die letzten Generationen verändert hat. Galten Schminke und auffällige Kleidung einst als Tabu, so gehören sie heute zum festen Repertoire vieler Damen. Und so wie es vormals nur in Ausnahmefällen galt, eine Schönheitsoperation vorzunehmen, so ist sie besonders für Frauen in den reiferen Jahren immer häufiger ein probates Mittel, um lästige Falten zu beseitigen. So kann etwa die Lidstraffung ambulant vorgenommen werden und die als unschön empfundenen Makel sofort beheben. Hierbei sind jedoch einige Punkte zu beachten, die ein seriöser Arzt jedoch im Patientengespräch zur Sprache bringen sollte. Dabei sind Sachen wie Ernährung und die Einnahme von Medikamenten besonders hervorzuheben. Doch auch der Umkehrschluss ist denkbar: Viele optische Fehler werden erst dadurch wahrgenommen, weil beinahe an jeder Straßenecke ein Arzt angesiedelt ist, der diese korrigieren kann. Es ist schon längst nicht mehr zu unterscheiden, was genau die Nachfrage und was das Angebot ist.

Welche Wege aus der Misere gibt es?

Natürlich muss bei allen optischen Korrekturen immer auch überprüft werden, worin ihr Nutzen liegt. Wer sich ein hässliches Muttermal entfernen oder Tränensäcke reduzieren lassen will, wird daher immer einen triftigen Grund haben. Auch Segelohren oder sonstige Fehlstellungen begründen oft seelische Störungen. Ähnlich sieht es bei den rein gesundheitlichen Aspekten aus. Etwa die schiefstehende Nase, die Atemstörungen hervorruft. Hier ist stets im Einzelfall zu entscheiden, ob der Eingriff notwendig ist. Demgegenüber gibt es allerdings genug Frauen und Männer, die sich ihre kleinen Makel nur einbilden: Fehler, die nur sie sehen, werden als störend empfunden. In solchen Fällen sollte auch der Schönheitschirurg die Frage aufwerfen, ob die von ihm gewünschte Operation wirklich sinnvoll ist. Vielleicht treibt sie den Patienten auch weiter in den Kreislauf der gestörten Selbstwahrnehmung: Wenn die Brust gerichtet ist, ist die Nase dran, anschließend die Ohren und dann alles erneut von vorne. Hier kommt dem Mediziner zumindest die moralische Pflicht zu, auch die psychische Seite zu hinterfragen. Denn wer überspitzt formuliert jeden Zentimeter seines Körpers überarbeiten lässt, kann mitunter ein gestörtes Verhältnis zu sich selbst haben. Dabei wären folglich nicht Spritze und Skalpell die geeigneten Werkzeuge, sondern das tiefgründige Gespräch mit einem Spezialisten.

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