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Emanzipation am Arbeitsplatz

Grenzen der Genderdiskussion

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Die Genderdiskussion – also die Betrachtung der sozialen Rolle eines Menschen aufgrund seines Geschlechts – stößt zunehmend an juristische und gesellschaftliche Grenzen, die sich im Alltag und sämtlichen Publikationen bemerkbar machen. AutorInnen (man beachte dieses Konstrukt) kommen nicht umhin, permanent von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen zu schreiben, was die Wortzahl hoch- und die Leserinnen und Leser wahrscheinlich wegtreibt. Das ist nur der kleinste und harmloseste Auswuchs der Genderdiskussion, eine berufliche Bevorzugung oder Benachteiligung aufgrund des Geschlechts, Frauenquoten in Parteien und Unternehmens-Vorständen erscheinen wesentlich prekärer.

Wissenschaftlichkeit der Genderdiskussion

Der US-Forscher John Money führte den Gender-Begriff 1955 ein, es ging ihm aber nicht um die soziale Rollenzuordnung von Männern und Frauen, sondern um intersexuelle Menschen mit uneindeutiger Geschlechtszuordnung. Die Thematik war in den 1950er bis 1970er Jahren auch in der populären Literatur stark präsent, so bei Hemingway („Paris – Eine Stadt fürs Leben“) und sogar in Science-Fiction-Romanen, die eine Welt mit Personen wechselnden Geschlechts nach einer „Kemmerphase“ bevölkerten – einfach, um einmal eine Genderdiskussion anzustoßen. Money war allerdings auch im Gegensatz zu den meisten seiner Zeitgenossen der Auffassung, dass die Geschlechterrolle – also „Gender“ – erst bei Kleinkindern entwickelt werde, er versuchte dies durch eine chirurgische Geschlechtsumwandlung eines/einer Bruce/Brenda Reimer zu belegen, die/der davon als Erwachsene/r erfuhr, die Umwandlung rückgängig machen ließ und schließlich Suizid beging. In den späten 1960er Jahren gelangte man schließlich zur Auffassung, dass das Geschlecht und das Bewusstsein eines Menschen um sein Geschlecht sehr wohl die gesellschaftliche Position entscheidend beeinflusst und hier ein Gegensteuern nötig sei – der Feminismus entstand. Immerhin wiesen und weisen zahllose Gesetze den Menschen aufgrund ihres Geschlechts Rechte zu, die gleiche Entlohnung von Frauen existiert auch in höchstentwickelten Ländern wie Deutschland nicht. Aus diesem Blickwinkel ist die Genderdiskussion sehr verständlich. In medizinisch-sexueller Hinsicht spielt sie eine Rolle für Menschen, die sich ihrem biologischen Geschlecht nicht zugehörig fühlen (Transsexuelle und Transgender-Personen), man beachte jedoch, dass dies eine absolute Minderheit ist, während die Genderdiskussion die Gesellschaft beherrscht. Gender-Studies behandeln dieses eher exotische Thema so gut wie gar nicht, es geht vielmehr darum, wie das Geschlecht eines Menschen seine Chancen in der Gesellschaft prägt. Viele Studien bestreiten diese per se festgelegte Kausalität, vor allem wird die permanente Kontinuität der Geschlechterrollen bezweifelt. Das könnte praktisch stimmen, denn auch in den großen Bögen der Menschheitsgeschichte folgte schließlich das Patriarchat (wahrscheinlich!) dem Matriarchat. (Anmerkung: Die Theorien dazu, ob es ein Matriarchat in der Frühgeschichte gab, sind so vielfältig wie umstritten und vor allem ideologisch geprägt.)
Fazit zur Wissenschaftlichkeit: Niemand wagt im Jahr 2013 auf wissenschaftlicher Basis zu behaupten, dass das Geschlecht die soziale Rolle determiniert, niemand wagt es aber auch ernsthaft in Abrede zu stellen.

Gibt es ein soziales Geschlecht?

Das „Doing Gender“ soll das soziale Geschlecht eines Menschen durch Erziehung und gesellschaftliche Einflüsse prägen. Diese Theorie wirft eine lange Reihe von Fragen auf, denn Männer und Frauen unterscheiden sich sehr wohl biologisch. Männer sind in der Regel körperlich stärker als Frauen, mit mehr Testosteron ausgestattet und daher im Mikrokosmos der Familie wie im Makrokosmos der Gesellschaft durchsetzungsfähiger. Da diese Rolle biologisch einmal vorgegeben wird, folgt ihr die Gesellschaft aus reinen Gründen der Effizienz. Es gibt in allen halbwegs entwickelten Staaten der Welt praktisch kein Matriarchat, mehr noch: Es gibt mehr männliche Mathematiker, Physiker und Chemiker, Rennfahrer, Footballer und Fußballer, Ingenieure, Politiker und Manager. Dafür gibt es wesentlich mehr Pflegerinnen als Pfleger, Krankenschwestern, Erzieherinnen, Unterstufenlehrerinnen und weibliche Führungspersönlichkeiten in sozial ausgerichteten Non-Profit-Organisationen. Frauen und Männer nehmen überwiegend freiwillig die Rollen ein, die zu ihrem Geschlecht passen. Verschiedene Autorinnen, die dem Feminismus zugeordnet werden (zum Beispiel die US-Amerikanerin Judith Butler) lehnen die Trennung zwischen Gender und sexuellem Geschlecht ab, dies sei eine Erfindung des Kartesischen Dualismus, also einer Philosophie der Spätrenaissance und ihres Vertreters René Descartes (1596 – 1650), die eine Trennung zwischen Körper und Geist postulierte. Nach Butler ist aber das biologische Geschlecht hinterfragbar, folgerichtig mag der Mensch durchaus in seiner Gender-Rolle einer mehr männlichen oder mehr weiblichen Seite in sich folgen. Damit erklärt die Feministin Butler den Feminismus praktisch für obsolet, eine bemerkenswerte Volte. Wenn dies so wäre und wenn eine Philosophin wie Judith Butler (Jahrgang 1956) nach Jahrzehnten in der feministischen Bewegung zu dieser Einsicht gelangt, darf der von Ideologie geprägte Vorwurf der Unterdrückung von Frauen hinterfragt werden. Die höchst provokante Antithese müsste indes lauten, dass Frauen ihre Rolle freiwillig einnehmen, weil es – siehe oben – in den meisten Wechselfällen des Lebens einfach effizienter ist, sich an die starken Schultern der männlichen Umgebung anzulehnen und entsprechende Vorteile daraus zu generieren, dass sich der Ernährer der Familie tagtäglich in den Existenzkampf begibt und der männliche Firmenchef das Unternehmen durch die Stürme des Konkurrenzkampfes steuert.

Das Fazit dürfte lauten: Gleichberechtigung ja, gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist ein Menschenrecht. Gleichheit zwischen den Geschlechtern jedoch: ein klares „Nein“.

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